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LIFE ON URTH - Episode 074ACT (Acceptance and Commitment Therapy) unterscheidet zwischen natürlichem Leid und Vermeidungsleid. Verluste sind traurig, Einschränkungen ärgerlich und Gefahren bedrohlich – ein gewisses Maß an natürlichem Leid gehört zum Leben. Unsere erste Intuition ist nachvollziehbar: Hauptsache, weg von diesem Leid! Das mag kurzfristig funktionieren, wir riskieren dabei allerdings eine zweite Form von Leid. Denn jede Art von Vermeidung erzeugt irgendwann eigene Verluste, Einschränkungen und Gefahren – ACT nennt das Vermeidungsleid. Während meiner Facharztweiterbildung besuchte ich einen Kurs über Hypnose als Entspannungsverfahren. Mein Lehrer hatte viele faszinierende Geschichten über den Umgang mit Schmerzen. Durch den Kurs wurde mir bewusst, wie groß der psychologische Anteil auch bei vermeintlich körperlichen Schmerzen sein kann. Oft gibt es für körperliche Schmerzen einen klaren organischen Ursprung, z.B. wenn ich mir den Zeh an der Bettkante stoße. Doch insbesondere bei wiederkehrenden und chronischen Schmerzen lohnt sich der Blick auf die psychische Dimension: die Art, wie wir auf Schmerz reagieren, ihn interpretieren, ihm Bedeutung geben. Wander Wunder 🥾Eine Geschichte meines Lehrers ist mir besonders in Erinnerung geblieben, denn sie hat meine eigene Haltung zu Schmerzen grundlegend verändert. Spezifische Details weichen möglicherweise etwas von der originalen Geschichte ab, aber die Kernidee bleibt unverändert: Schmerz und Leid sind voneinander trennbar. Mein Lehrer war als Teil einer Gruppe auf einer mehrtägigen Wanderung im Grand Canyon unterwegs. Gleich zu Beginn verletzte sich eine Teilnehmerin am Knöchel – nicht lebensbedrohlich, aber schmerzhaft genug, um die ganze Tour infrage zu stellen. Mit ihrem Einverständnis führte er eine kurze Hypnose durch. Die zentrale Botschaft: „Dein Schmerz heißt nicht, dass du leiden musst.“ Mit dieser neuen Perspektive, vertieft durch die Trance, konnte die Frau weiterwandern und die Tour beenden. Im Alltag hat man selten einen Hypnoselehrer zur Hand. Doch schon die Idee, dass Schmerz und Leid voneinander trennbar sind, kann etwas verändern. Mir hilft allein dieses Wissen, wenn Schmerzen auftauchen – körperlich oder emotional. Selbst wenn ich sie nicht „weg“ bekomme, erinnere ich mich daran: Distanz ist möglich. Distanz schaffen 🧈Eine unerwartete Imaginationsübung, die ich kürzlich entdeckt habe, um ein gutes Körpergefühl zu erzeugen und dadurch auch Distanz zu Schmerzen zu gewinnen, beginnt mit Achtsamkeit. Eine meiner liebsten Strategien, um schnell in eine achtsame Beobachterrolle zu finden: meinen Atem zwar bewusst wahrzunehmen, ihn aber nicht bewusst zu steuern, sondern diese Kontrolle an meinen Körper abzugeben. Dann stellt man sich ein warmes Stück Butter vor, etwa so groß wie ein Ei, und legt es sich auf die Stirn. Die imaginäre Butter lässt man dann schmelzen und langsam den Kopf und den Körper hinablaufen. Da es sich nur um imaginäre Butter handelt, muss man danach auch keine zwei Stunden lang duschen. Man kann sich ganz auf das wohlige Gefühl einlassen und es tief in sich aufnehmen. Wie Enten 🌊ACT und Hypnose beschreiben letztlich dasselbe Prinzip mit unterschiedlichen Worten: Schmerz ist unvermeidlich. Doch Leid entsteht erst durch Widerstand. Wenn wir lernen, mit Neugier statt mit Abwehr auf unsere Empfindungen zu reagieren, verändert sich die Erfahrung. Die Welle des Schmerzes mag bleiben, aber wir können lernen, darauf wie Enten zu surfen. Der Weg dorthin führt nicht über Kontrolle, sondern über Akzeptanz – und über die Erkenntnis, dass auch der Schmerz ein wichtiger Teil unserer Landkarte ist. Wo in deinem Leben könntest du diese Woche Neugier statt Widerstand üben? 🦆 ✒️ Quote der Woche: “It is important to expect nothing, to take every experience, including the negative ones, as merely steps on the path, and to proceed” -Ram Dass 🍿 Video der Woche: I'm 41, if You're In Your 30s, Watch This… (Kann man aber in jedem Alter gut konsumieren :p) 🎧 Song der Woche: Ray Vaughn - XXXL Tee Nur das Beste, Adrian / Urth Du möchtest nicht bis nächste Woche warten?
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